Kinderurlaub für schöne Kindheitserinnerungen

Sandy und Wolfgang Kremer von Kinderarmut in Deutschland e.V.

Persönlich betroffen

Als wir vor ca. 27 Jahren eine alleinerziehende Mutter mit ihrem 7-jährigen Sohn Markus (Name geändert) besuchten, da waren wir schockiert. Die Armut, in der diese beiden wertvollen Menschen lebten, schrie zum Himmmel.
2 Zimmer, Möbel vom Sperrmüll, keine Gardinen vor den Fenstern, Ofenheizung etc. Es zerriß uns fast das Herz. Wir möchten, dass unsere Kids am gesellschaftlichen Leben teilhaben und auch einen tollen kindgerechten Abenteuerurlaub verleben sollen. Auch zukünftig werden wir trotz unserer gesundheitlichen Begrenzungen aktiv mit dazu beitragen, dass kein Kind wegen seiner familiären Notlage ausgegrenzt ist. Dafür machen wir uns stark! Viele unserer Kids sind noch nie in Urlaub gefahren. Dies möchten wir ändern. In den nächsten Jahren bauen wir unser Kinder Urlaubsangebot in den Bereichen Abenteuer- , Reiter-, Zirkus- und Sportcamps weiter aus. Gemeinsam mit Ihnen können wir vielen benachteiligten Kindern einen spannenden Kinderurlaub ermöglichen.

Sandy & Wolfgang Kremer
Gründerehepaar

 

Meine Kindheitserinnerungen

Ich dachte an meine Kindheit im Aloisiuskolleg, einem Internatsgymnasium der Jesuiten in Bad Godesberg zurück . Mehr als 400 Jungs aller Altersstufen standen für jeden Unsinn bereit. Egal was für einen Blödsinn wir planten, es fanden sich immer welche, die mitmachten. Ich dachte auch zurück an unsere regelmäßigen Geländespiele im Vorgebirge rund um den Drachenfels und an unsere Feriencamps, auf denen wir die tollsten Abenteuer erlebten. Dass sollte es auch für Markus geben. Dafür wollten wir uns stark machen.

Was unser Indianercamp bewirken kann!
Ich fuhr vor fast 20 Jahren das erste Mal ins Indianer Camp. Ich weiß noch, dass ich im ersten Jahr, als meine Schwester hinfuhr, noch zu jung war. Als ich dann endlich 8 Jahre alt war, war ich mächtig aufgeregt. So etwas wie Urlaub oder auch nur Tagesausflüge gab es in meiner Familie so ziemlich gar nicht. Meine Mutter war alleinerziehend mit 4 Kindern, mein Vater saß im Gefängnis. Meine Mutter hatte weder das Geld, noch die Nerven, um etwas mit uns zu unternehmen. Andere Kinder fuhren mit ihren Eltern zur Kirmes, ins Hallenbad oder in Vergnügungsparks. All so etwas kannte ich in meiner Kindheit nicht. Alles, was ich unternehmen konnte war, was ich eigenständig tun konnte. Dementsprechend war es für mich etwas wahnsinnig Besonderes, jeden Sommer die Möglichkeit auf eine Woche Erlebnisurlaub zu erhalten. Ich freute mich das ganze Jahr darauf. Die Aussicht auf diese eine Sommerferienwoche gab mir in vielen schwierigen und/oder einsamen Momenten Kraft, die Zeit bis dahin zu überstehen. Ich erinnere mich, dass ich manchmal in meinem Bett lag und mich ins Camp träumte, weil es ein Ort war, an dem ich mich einfach nur glücklich und unbeschwert fühlen konnte.In der Sozialen Arbeit kennt man die Wichtigkeit der Erlebnispädagogik: Sie stärkt die Persönlichkeit, wie auch die sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Im Prinzip ist es genau das, was das Indianercamp ausmacht. Man findet neue Freunde und erlebt mit ihnen kleine Abenteuer. Das reicht vom Übernachten im Zelt, was vor allem vielen Kindern aus Großstädten fremd ist, über Seifenkistenrennen, bis zum Highlight der Lagerolympiade, bei der man im Team spannende und kniffelige Aufgaben lösen muss. Er gibt viele verschiede Möglichkeiten, Auszeichnungen zu erhalten. In einem Jahr bekam ich eine Urkunde für das beste „Lagertagebuch“. Dieses besitze ich noch heute.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man sich als Kind nicht mehr in dem Umfeld befindet, dass einen oft nur als Kind eines Inhaftierten stigmatisiert. Ich kam aus einem Dorf, in dem jeder wusste, wo mein Vater war und auch, warum er dort hin musste. Seit ich denken kann, waren wir ausgegrenzt. Ob man sich aber akzeptiert und gemocht zu fühlen kann, beeinflusst das Selbstbewusstsein eines Menschen immens. Im Indianer Camp machte ich ganz neue Erfahrungen: Mir wurde das Gefühl vermittelt, dass ich vollkommen okay war, so wie ich war. Noch heute kann ich mich sehr plastisch daran erinnern, wie gut ich mich fühlte, wenn wir abends alle zusammen am Lagerfeuer saßen und zusammen Lieder wie „Der Clou“ sangen. Hier heißt es „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur. Ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu. Du bist du, das ist der Clou. (…)“. So kitschig es auch klingen mag: Noch heute steigen mir Freudentränen in die Augen, wenn ich daran zurück denke. Jedes Kind braucht es, zu hören, dass es wertvoll ist und geliebt wird. Meine Mutter konnte mir das jedoch nie wirklich zeigen.

Heute bin ich selbst alleinerziehende Mutter. Das was ich in meinem Leben erlebt habe, hat vieles in mir kaputt gemacht. Ich leide seit meinem 14. Lebensjahr an schweren Depressionen und eine Partnerschaft zu führen ist für mich mit großen emotionalen Herausforderungen verbunden. Trotzdem habe ich es geschafft, mein Leben zu stabilisieren. Ich habe meine Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen und studiere inzwischen erfolgreich. Auch, wenn ich bei Gott keine perfekte Mutter bin, weiß ich, dass mein Sohn es bei mir sehr gut hat. Ich habe einen stabilen Freundeskreis und die Depressionen werden immer schwächer. Ich denke, wenn man meine schwierigen Startbedingungen ansieht, habe ich in meinem Leben sehr viel geschafft. Und ich bin überzeugt davon, dass die Abenteuerurlaube im Indianer Camp hierzu durchaus beigetragen haben.

Deswegen danke ich Sandy und Wolfgang dafür, dass sie sich seit so vielen Jahren für Menschen in Notlagen engagieren und natürlich auch allen, die sie dabei mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit oder durch finanzielle Hilfen unterstützt haben. Sie alle liefern einen wichtigen Beitrag für Entwicklung von sozial benachteiligten Kindern.

ein früheres Indianercamp Kind - heute selbst Mutter

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